Wein und Faulheit

Keine Ahnung, wie ich darauf kam, aber irgendetwas bewegte mich dazu, nach “Wein” und “Faulheit” zu googlen. Es gibt irgendwie eine kosmische Verbindung zwischen beiden Begriffen. Wer hat schon jemals einen weintrinkenden Menschen bei der Arbeit gesehen? Gut, fast ein Eigentor, die Winzer natürlich ausgenommen und alle, die mit dem Vertrieb des lieblichen Getränkes zu tun haben.

Paul Lafargue

Nun bot sich mir aber ein ganz anderer Aspekt: Ich, die schon genug sozialistische Literatur in ihrem Leben hat lesen müssen, fand einen Zusammenhang zwischen Wein und Faulheit in einem sozialistischen Schriftstück von Paul LafargueDas Recht auf Faulheit” aus dem Jahre 1883. Unfassbar und doch wahr! Durchsucht man den Text nach dem Wort “Wein”, so wird man an mehreren Stellen fündig, von denen mir einige recht amüsant erscheinen.

Der “Meister” Lafargue ist z.B. der Meinung, dass es keinen Bourgeois (Kapitalist) gibt, “der sich nicht mit Trüffelkapaunen (Anm. d. Red.: Der Trüffelkapaun ist ein im Alter von etwa 12 Wochen kastrierter und gemästeter Brathahn, zubereitet mit Trüffeln.) und mit herangeschafftem edlen Wein vollstopft, um die Geflügelzüchter von La Flèche und die Winzer des Bordelais zu fördern. Bei diesem Geschäft geht der Körper schnell zugrunde, die Haare fallen aus, das Zahnfleisch geht zurück, der Rumpf deformiert, der Bauch schwillt an, die Brust wird asthmatisch, die Bewegungen werden schwerfälliger, die Gelenke steif, die Glieder gichtig. Andere, die zu schwach sind, um die Anstrengung der Ausschweifung zu ertragen, aber mit der Neigung zu Klugscheißerei ausgestattet, dörren ihr Gehirn aus, wie die Garnier von der politischen Ökonomie oder die Acollas von der juristischen Philosophie, und hecken dickbändige, schlafsuchterregende Bücher aus, um die Mußestunden von Schriftsetzern und Buchdruckern auszufüllen.” (Ausschnitt aus “Das Recht auf Faulheit“).

Jetzt haben sich für mich in der Kürze der Lektüre nur zwei ungeklärte Fragen ergeben, mit denen ich mich wohl bei einer leckeren Flasche Wein noch weiter beschäftigen werde:

  1. Was haben Sozialismus und Wein miteinander zu tun und warum habe ich dies 18 Jahre meines Lebens nicht bemerkt?
  2. Werde ich nach weiterem Genuß von Wein auch so enden wie ein Bourgeois?

Eure haarlose ausgedörrte Klugscheißerin ;-)

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